Deutschland, 10.03.2010 11:10 Uhr
Hochsauerland. „Es geht darum, die Schüler frühzeitig für ihre berufliche Zukunft zu sensibilisieren“, so Ralf Péus, Bürgermeister und zugleich Gastgeber im großen Bürgersaal des Rathauses in Bestwig, bei der Vorstellung des Projekts „ProBe“, das zur vertieften Berufsorientierung an den Hauptschulen Bestwig, Olsberg und der Anne-Frank-Schule dient.
Das Projekt ist auf mehrere Jahre ausgelegt und chronologisch in verschiedene Phasen aufgegliedert, deren Praxisbezug sich nach und nach steigert.
Die erste Phase („Sensibilisierungsphase“) zielt auf den Zeitraum vom zweiten Halbjahr der Klasse 7 bis zum ersten Halbjahr der Klasse 8. Im Vordergrund steht das Erkennen der eigenen Interessen und Stärken, woraufhin bereits ein erster Abgleich mit möglichen Ausbildungsberufen vollzogen wird.
„Unser Projekt ist kein Defizitansatz. Wir fragen bewusst nicht, wo die Schwächen der Schüler liegen sondern vielmehr: wo können wir sie abholen, wo sind ihre Stärken“, so Hubertus Becker von der Berufsbildungsakademie der Volkshochschulen. Die Sensibilisierungsphase wird alle zwei Wochen für zwei Unterrichtsstunden im Klassenverbund durchgeführt.
Der nächste Schritt erfolgt mit der „praktischen Orientierungsphase“, die in Klasse 8.2 vollzogen wird. Die Schüler sollen aus sieben Berufsfeldern (Holz, Metall, Hauswirtschaftslehre, Farb- und Raumgestaltung, Elektrotechnik, Garten- und Landschaftsbau sowie Pflege/Gesundheit) individuell drei auswählen, in denen sie nacheinander Erfahrungen sammeln wollen. Die Durchführung findet jeden Mittwoch in den Werkstätten und Fachräumen des Berufskollegs Olsberg, der Firma Oventrop, des Josefsheims Bigge und der NAMe gGmbH Bestwig statt.
Wolfgang Fischer, Bürgermeister von Olsberg dazu: „Das ProBe-Projekt ist ein Paradebeispiel für die breitflächige Unterstützung von Ausbildungsmaßnahmen durch regionale Unternehmen“. Langfristig könne diese Verknüpfung zu einer „Win-win-situation“ für beide Parteien werden, wenn einige Schüler durch die gesammelten Erfahrungen später tatsächlich in einem ortsansässigen Betrieb ihre Arbeit aufnehmen.
Im Anschluss an die Orientierungsphase folgt die „praktische Vertiefung“, in der die Schüler die Möglichkeit erhalten, über das erste Halbjahr in der neunten Klasse die drei vorher ausgewählten Berufsfelder ausgiebig zu erkunden. Dabei sind Durchführungsort und zeitlicher Umfang deckungsgleich mit der Orientierungsphase.
Den Abschluss des „ProBe“-Projektes bildet das Bewerbungstraining in Klasse 9, zweites Halbjahr. Hier können sich die Schüler auf fiktive Ausbildungsplätze bewerben und erhalten die Gelegenheit, ein Vorstellungsgespräch und dessen Rahmenbedingungen mit Unterstützung der Fachkräfte zu simulieren.
Die Aktion als solche hat sich mittlerweile in weiten Teilen des Hochsauerlandkreises etabliert. Bereits vor zwei Jahren ging man mit dem „ProBe“-Projekt in Arnsberg erfolgreich an den Start, ehe mit Meschede, Sundern und Medebach weitere Kommunen folgten.
Seit Anfang Februar sind nun auch 75 Schüler in Bestwig, Ostwig und Olsberg daran beteiligt, so dass Landrat Dr. Karl Schneider bei der Unterzeichnung der Kooperationsverträge ein zufriedenes Resümee zog: „Es gibt eine äußerst geringe Abbrecherquote und ich bin zuversichtlich, dass sich die Hauptschulen des HSK bald flächendeckend an dem Projekt beteiligen“.
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