Nordrhein-Westfalen, 29.06.2007 14:03 Uhr
Gummersbach. Kandidaten rar?
Frage: Frau Janßen, Sie sind bei Kienbaum für die Rekrutierung von Auszubildenden verantwortlich. Was machen
Kandidaten bei der Bewerbung falsch?
Diana Janßen: Das fängt bei der schriftlichen Bewerbung oft leider schon mit der Rechtschreibung an. Wenn im
ersten Absatz bereits zwei Tippfehler sind oder gar eindeutige Rechtschreibfehler, macht das natürlich einen
schlechten Eindruck. Ganz beliebte Fehler sind auch die falschen Ansprechpartner auf dem Anschreiben und der
Bezug auf den falschen Ausbildungsberuf.
Frage: Wie beurteilen Sie denn insgesamt die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber?
Diana Janßen: Wir beobachten über die letzten Jahre leider einen deutlichen Abfall in der Qualität der
Bewerbungen. Viele der jungen Menschen, die sich bei uns vorstellen, haben keine klaren Vorstellungen von ihrem
Einstieg ins Berufsleben. Das ist auch ohne Frage gar nicht so einfach, sich auf dem Markt zu finden und die
eigenen Stärken und Schwächen herauszufiltern, aber man hat verstärkt den Eindruck das die Bewerber das auch
gar nicht versucht haben. Was die Motivation angeht oder gar Enthusiasmus für den ersten Job, sehen wir große
Defizite. Manchmal hat man das Gefühl, jemand stellt sich nach dem Motto „Ach, ich versuch`s einfach mal“ vor.
Frage: Also liegen die oft zitierten Probleme überhaupt eine Ausbildungsstelle zu finden vielleicht gar nicht daran,
dass es nicht genügend freie Stellen gibt?
Diana Janßen: Das kann man so nicht verallgemeinern. Aber man muss sicher zwischen einem quantitativen und
einem qualitativen Problem unterschieden. Wer einen guten Abschluss in der Tasche hat und weiß was er will, der
kann sicher einfacher einen guten Jobeinstieg finden, denn er kann überzeugen.
Frage: Wo hapert es denn bei den Bewerbern?
Janßen: Neben den genannten Punkten sind das oft ganz einfache Grundvoraussetzungen. Ich meine hier zum
Beispiel sprachliche Fähigkeiten, Fremdsprachen oder Mathematik, aber auch einfach persönliche Defizite imAuftritt und Umgang, Dinge die eigentlich ganz selbstverständlich sein sollten. Dieser Eindruck deckt sich leider mit
der Einschätzung vieler Personaler. Eine Studie von uns aus den letzten Jahren hat genau diese Defizite
ausgemacht.
Frage: Bei Kienbaum denkt man ja eher an Unternehmensberater. Was können Sie Auszubildenden bieten?
Janßen: Wir bilden zum Bürokaufmann bzw. zur Bürokauffrau, aber auch im Bereich Fachinformatik aus. Dabei lernen die Auszubildenden ganz gezielt alle administrativen Bereiche des Unternehmens kennen. Uns ist es sehr wichtig eine breite Palette anbieten zu können, damit sich Schwerpunkte herauskristallisieren und sich die Sozialkompetenzen entwickeln können. Wir gestalten das Ausbildungsprogramm daher auch sehr flexibel, etwa wenn jemand seine Stärken im Marketing zeigt, wird er hier auch länger eingesetzt. Oft haben wir dabei schon so viel Begeisterung wecken können, dass jemand hier seine Berufung gefunden hat und noch heute in diesem Bereich arbeitet oder sich gezielt darin weitergebildet hat.
Frage: Beschäftigen Sie die Auszubildenden nach der Ausbildung weiter?
Janßen: Das hängt natürlich von der Leistung und dem Bedarf ab. Generell ist es natürlich unser Ziel, junge
Menschen hervorragend auszubilden und dann auch im Unternehmen zu halten.
Frage: In welchen Bereichen arbeiten die ehemaligen Auszubildenden dann?
Janßen: Das ist sehr unterschiedlich und hängt von den Neigungen und persönlichen Fähigkeiten ab. Das kann in
den Buchhaltung oder im Controlling sein oder auch bei einem unserer Berater im Backoffice.
Frage: Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben wollen, die sich bei Kienbaum bewerben
möchten?
Janßen: Zeigen sie, dass sie sich mit dem Unternehmen bei dem sie sich bewerben beschäftigt haben. Machen sie
sich Gedanken, was sie lernen möchten, welche Ziele sie haben und warum sie sich gerade bei diesem
Unternehmen bewerben. Mindestens genauso wichtig: Zeigen sie Begeisterung, vermitteln sie durch Motivation,
dass sie genau die Richtige oder der Richtige für die Position sind! Eine sorgfältig vorbereitete Bewerbungsmappe
ist dabei schon der erste Schritt und daher haben wir, das heißt Frau Tanja Hochsattel und ich, auch gemeinsam
das „Summerspecial 2007 - Bewerbungsmappencheck“ ins Leben gerufen.
Frage: Was bietet Kienbaum dabei genau an?
Janßen: Wir bieten allen jungen Leuten, die sich für einen Ausbildungsplatz egal welcher Art und Branche
bewerben, einen kostenlosen Check ihrer Bewerbungsmappen an. Innerhalb des „Summerspecial 2007“ kann uns
jeder Ausbildungsplatzsuchende einfach seine vorbereiteten Bewerbungsunterlagen mit allen Inhalten zu Prüfung
zuschicken. Die Unterlagen sollten dabei genauso aussehen, wie die Bewerber sich auch in einemAusbildungsunternehmen vorstellen würden. Nach einer Prüfung mit genauen Anmerkungen und Anregungen
senden wir die Unterlagen dann wieder zurück. Wir möchten so nicht nur kritisieren, sondern auch einen aktiven
Beitrag leisten.
Frage: Hätte man denn für dieses Jahr auch noch eine Chance bei Kienbaum einen Ausbildungsplatz zu finden?
Janßen: Leider, nein. Für 2007 haben wir fünf neue Azubis gewinnen können, aber wir sind gerade mitten in der
Suche für das Ausbildungsjahr 2008. Hier freuen wir uns natürlich noch über jeden engagierten und motivierten
Bewerber!
Frau Janßen, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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