Schleswig-Holstein, 31.05.2010 14:15 Uhr
Das kürzlich veröffentlichte Sparpaket der schleswig-holsteinischen Landesregierung sieht vor, das Medizinstudium an der Universität Lübeck einzustellen. Dies wurde mit der hohen Anzahl an Ausbildungsplätzen für Mediziner in Schleswig-Holstein begründet – im Vergleich habe man im nördlichsten Bundesland überproportional zuviele Studienplätze für den Mediziner Nachwuchs.
Für die 1964 als medizinische Akademie gegründete Universität, die erst seit 2002 den Status einer eigenständigen Hochschule hat und zuvor zweite Medizinische Fakultät der Universität Kiel war, wäre dies ein herber Schlag. Im Moment sind 50 Prozent der 2600 Studenten der Universität Lübeck im Fach Medizin eingeschrieben, ca. 80 Professoren und gut 50 Privatdozenten sind an der medizinischen Fakultät tätig. Die berufliche Zukunft der Lehrkräfte ist noch genauso unklar, wie die der künftigen Medizinstudenten. Die Forschung und Lehre soll zwar nach Kiel verlagert werden, jedoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Universität Kiel die Kapazitäten für weitere 1300 Medizinstudenten und gut 130 Lehrkräfte an ihrer medizinischen Fakultät hat.
Ab dem Wintersemester 2011/2012 ist geplant, keine Medizinstudenten in Lübeck mehr zuzulassen und die Universitätsklinik zu privatisieren, ab 2015 soll dadurch das Budget des Landes Schleswig-Holstein um 24 Millionen Euro geschont werden. Die Entlastung beläuft sich insgesamt bis 2020 auf geschätzte 150 Millionen Euro. Die Lübecker sind mit den Plänen der Landesregierung verständlicherweise nicht einverstanden, mehr als 1000 Personen demonstrierten gegen die Sparpläne. Ob die Einsparungen sinnvoll sind, ist zweifelhaft, denn rund 1000 Personen arbeiten direkt oder indirekt für das Universitätsklinikum Lübeck. Sollte die Fakultät wirklich geschlossen werden, wäre dies ein enormer wirtschaftlicher und sozialer Verlust für Lübeck und damit für Schleswig-Holstein.
Alleine schon die Tatsache, dass rund 1000 Personen ihre Jobs verlieren würden ist schon beunruhigend, doch für Lübeck wäre der Verlust der medizinischen Fakultät auch in finanzieller Hinsicht enorm. Eine Menge Unternehmen arbeiten mit und für das Lübecker Universitätsklinikum, seien es jetzt Fachunternehmen die medizinische Geräte warten und reparieren oder Namensschild Hersteller, die Namensschilder und Ausweishüllen an die Uniklinik liefern. Auch der Forschungsstandort Lübeck würde unter der Privatisierung der Uniklinik großen Schaden nehmen; schon jetzt überlegen viele Lehrkräfte Lübeck und Schleswig-Holstein zu verlassen.
Das Präsidium der Universität Lübeck trifft sich daher diese Woche mit der Landesregierung und wird versuchen zu retten was noch zu retten ist, natürlich hofft man seitens der Lübecker Universität die Regierung von ihren Sparplänen abbringen zu können. Man kann nur hoffen, dass sich die Landesregierung etwas anderes einfallen lässt, um ihr Budget zu schonen. Außerdem ist zweifelhaft, ob der finanzielle Schaden auf lange Sicht nicht größer als der Nutzen wäre.
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