Deutschland, 27.10.2011 11:22 Uhr
Die Ausbildung in Deutschland ist nach wie vor führend in der Qualität im internationalen Vergleich. Unter der Führung der Handwerkskammern wird die Qualität der berufsqualifizierenden Abschlüsse stetig überwacht und einheitlichen Qualitätsstandards unterworfen. Dennoch, zusätzlich zu den üblichen Betrieben nimmt auch die Zahl der privaten Ausbildungsstätten zu und nicht immer kann anhand von regelmäßigen Kontrollen gewährleistet werden, dass alles immer so ist, wie es sein sollte.
Experten zurate ziehen
Viele sind verunsichert, wenn sich der vermeintlich tolle und lang ersehnte Ausbildungsplatz als schlecht herausstellt. Leider erfüllen viele Ausbilder nur theoretisch die Anforderungen der Handwerkskammern und setzten die Richtlinien im Berufsalltag nicht um. So haben Azubis manchmal keinen eigenen Schreibtisch im Büro, sondern werden wie ein Praktikant mal hierhin mal dorthin geschickt, oder es fehlt an lehrenden Anweisungen, sodass sie mehr als billige Vollzeitarbeitskräfte ausgenutzt werden, statt etwas zu lernen. Weit verbreitet ist auch das Verlangen von zahlreichen Überstunden, was für den Betrieb natürlich besonders günstig ist, da Azubis für Überstunden grundsätzlich nicht vergütet werden müssen. Eine Stelle für eine gute Ausbildung beleuchtet von Experten findet man, wenn man sich direkt über die Handwerkskammern bewirbt, die in der Vergangenheit oder aktuell auffällig gewordene Betriebe in einer Art schwarzen Liste führen. Ist der Wunschbetrieb auf dieser Liste, sollte man zumindest vorab den Betrieb besuchen, mit Chef und Ausbildern ein offenes Gespräch über die Arbeitsbedingungen und Ausbildungsmodalitäten führen und vielleicht sogar den Fall ansprechen. So kann man am besten vermeiden, dass man selbst in eine unangenehme Situation gerät, wenn der Vertrag schon unterschrieben wurde.
Verstöße muss man melden
Wichtig ist, dass jeder, dem selbst etwas sauer aufstößt und wenn der Mangel auch auf Dauer nicht behoben wird, eine entsprechende Meldung macht. Natürlich sollte man nicht wegen jeder Kleinigkeit die Schlichter bemühen, sondern lieber erst selbst und persönlich die Probleme ansprechen. Doch je mehr Azubis die Mängel ihrer Ausbildungsstätten offenlegen, desto besser kann dagegen etwas getan werden. Oft steckt seitens der Betriebe auch keine böse Absicht dahinter, sondern es mangelt an Geld, Zeit und Kapazitäten für die sachgemäße Ausbildung. Vielfach sind Zuschüsse durch die Handwerkskammern möglich, etwa zur Ausstattung eines eigenen Arbeitsplatzes oder für Zuzahlungen zum Azubigehalt bei überdurchschnittlich vielen Überstunden. Bevor man frühzeitig kündigt und alles hinschmeißt, sollte man immer versuchen an den bestehenden Missständen etwas zu verbessern, schließlich will man ja den Beruf erlernen und erfolgreich darin arbeiten. Zähne zusammenbeißen ist da auf jeden Fall die schlechteste Lösung, denn etwas verändern kann man fast immer.
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