Deutschland, 28.06.2011 09:03 Uhr
Für Schulen ist ein Evaluationssystem für Lehrer und Unterricht spätestens seit der PISA-Studie bekannt. Doch wie sieht das eigentlich umgekehrt aus? Werden Lehrer, Ausbilder und Berufsschulen auch Bewertungen unterzogen? Und wenn ja, wie wird das gemacht und welche Auswirkungen hat das auf die Qualität der Lehre?
Noten werden einseitig vergeben
Die Bewertung der Ausbildung erfolgt meist nur in eine Richtung. Die Lehrenden, Ausbilder und Berufsschullehrer bewerten die Leistung der Azubis und vergeben dabei sowohl Noten in den theoretischen und praktischen Prüfungen als auch ausführliche Beurteilungen in Form von Zeugnissen und Empfehlungsschreiben für den zukünftigen Arbeitgeber. Das System dieser schriftlichen Beurteilungen ist nicht immer transparent und die mangelnde Festschreibung und Transparenz der Kriterien lässt viele Azubis misstrauisch werden, ob sie hierbei wirklich unabhängig beurteilt werden oder ob sie befürchten müssen auch nach persönlichen Kriterien bewertet, schlimmstenfalls abgewertet zu werden. Kein Wunder, dass mancher Azubi auch gerne seinen Arbeitgeber bewerten möchte. Doch Gelegenheit dazu gibt es kaum. Die Richtlinien für die Ausbildung sieht eine solche Bewertung nicht vor, bestenfalls geschieht sie auf freiwilliger Basis oder auf informelle Weise über den privaten Austausch zwischen den Lehrlingen oder über Foren und Communitys im Internet. Nicht immer bleibt die Kritik dann sachlich und die Aussagekraft ist auch nicht unbedingt hoch, denn auch hier fehlen einheitliche Maßstäbe. Oft kommt es zu subjektiven Einschätzungen, die demjenigen, der nach unabhängigen Meinungen sucht, nicht unbedingt weiterhelfen.
Plattformen und platte Formen
Immer wieder hört man in der Presse von Fällen, wo derlei Portale und Websites in Verruf geraten. Eine Schülerplattform, die Lehrern Noten gab, wurde unlängst von einem Lehrkörper verklagt, da sich dieser übler Nachrede ausgesetzt sah. Auch ein "Bewertungsforum", eher ein Klatsch- und Tratschforum, geriet kürzlich in die Negativschlagzeilen und wurde gesperrt. Hierbei ging der Missbrauch der Plattform so weit, dass sich Einzelne in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sahen. Die Umgangsformen der anonymen User ließen tatsächlich sehr zu wünschen übrig und ein virtueller Pranger kann nicht der Zweck solcher Websites sein. Dabei ist der Nutzen von unabhängigen Bewertungsforen bei richtiger Verwaltung hoch. Mittels dieses Instruments könnte sich jeder Azubi vorab informieren, ob ein Lehrbetrieb zu ihm passt und ob er glaubt, mit Chef und Kollegen zusammenarbeiten zu können. Es handelt sich schließlich um eine langfristige Entscheidung, die hier getroffen wird und vielleicht könnte der Abbruch von Ausbildungen damit manchmal von vornherein verhindert werden. Bisher gibt es vonseiten der Ausbilder nur freiwillige Evaluationen. Engagierte Berufsschullehrer und Ausbilder verteilen zum Ende des Schuljahres Evaluationsbögen, die die Schüler anonym ausfüllen dürfen. Die Ergebnisse dienen dabei aber zunächst nur dem Lehrenden selbst, der seine Arbeit daraufhin optimieren kann. Immerhin ein Anfang und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
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